Eine Reise durch die (un)bekannte Heimat

Ich bin unter die Jogger gegangen. Hätte man mir das vor einem Jahr gesagt, hätte ich das nicht geglaubt. Aber vor kanpp drei Monaten habe ich einfach mal angefangen und dann wirklich auch weiter gemacht. Mittlerweile laufe ich bis zu 9 Kilometer am Stück. Aber darum geht es hier nicht. Heute möchte ich meine Leser nämlich auf meine Laufrunde um meinen Heimatort mitnehmen und die Assoziationen sammeln, die ich mit den verschiedenen Punkten an der Strecke verbinde.Wir starten direkt vor der Einfahrt unseres Hauses. Heute entscheide ich mich gegen den Uhrezeigersinn zu laufen, also erstmal die Straße  hinunter nach Süden. Am Spielplatz unserer Siedlung vorbei. Als wir vor über 15 Jahren hergezogen sind, gab es viele Kinder hier. Auch vor 5 Jahren noch. Aber inzwischen sind auch aus diesen Kindern Jugendliche und junge Erwachsene geworden und es ist viel ruhiger in unserer Straße geworden.

Wir biegen schräg nach rechts ab, einen schmalen gepflasterten Weg zwischen zwei Häusern hindurch. Hier hängen im Sommer immer Himbeeren durch den Zaun. Auch dieses Jahr. Am Ende angekommen geht es geradeaus nach unten zu unserem Schlittenberg. Auch da ist es in den letzten Jahren ruhiger geworden. Dieses Jahr bin ich sogar selbst nach vielleicht fünf Jahren mal wieder einmal runter gefahren. Ein paar alte Spuren waren schon im Schnee, aber ich war allein.

Aber wir biegen nach links ab auf einen schmalen Kiesweg. Dieser Weg war bin ich zu Grundschulzeiten jeden Tag gegangen, ich kenne ihn in- und auswendig. Zwei Gullydeckel, noch ein Gullydeckel. Dann biegt von links eine kleine Straße ein und der Weg ist geteert. Früher war das auch ein Fußgängerweg, aber vor ein paar Jahren ist da ein Haus hingebaut worden und jetzt dürfen Autos da fahren. Macht aber keinen großen Unterschied.

Wir kommen von hinten auf den Schulparkplatz hinter der Turnhalle. Manchmal biege ich hier rechts ab, um einmal um die Schule herum durch den Schulhof zu laufen. Aber wir laufen geradeaus durch, am Fenster des Lehrerzimmers vorbei. Die meisten Lehrerinnen meiner Grundschulzeit sind sogar noch da. Manchmal hoffe ich eine von ihnen am Parkplatz anzutreffen und ein paar Worte zu wechslen. Ist aber noch nie passiert.

Weiter geradeaus geht es auf die Schulstraße. Auf der linken Seite ist der Friedhof, dann kommt das Pfarrhaus. Auf dem Weg bergab zur Hauptstraße stehen die Infokästen der Gemeinde, der Kirche, der politischen Parteien. Hin und wieder steht etwas Neues, Interessantes darin, aber meistens ist es nur das Gleiche wie beim letzten Mal. Wir überqueren jetzt die Haupstraße an der einzigen Ampel des Ortes. Nun sind wir so ziemlich im Dorfzentrum. Hier ist die Gemeindakanzlei, die Apotheke, die Raiffeisenbank, das italienische Restaurant, ein Stück links herum auch der Frisör. Hier ist im Sommer öfters mal was los.

Aber wir laufen nach rechts auf einen kleinen Verbindungsweg in die nächste Wohnsiedlung. Wir überqueren eine Straße und laufen den nächsten kleinen Weg am Rand einer Lebensbaumhecke entlang. Wir kommen an der nächsten Straße heraus. Hier wohnt mein guter Bekannter M. Beziehungsweise wohnte, denn inzwischen ist auch er zum Studium fortgezogen. Ich sollte mich einmal wieder bei ihm melden.

Auch diese Straße laufen wir hinunter, dann einmal links, einmal rechts, immer nach Süden, parallel zur Hauptstraße durch die Siedlung. In dieser Gegend haben viele meiner Mitschüler und Bekannte aus Grundschulzeiten gewohnt. Wie viele von ihnen heute noch dort wohnen, weiß ich nicht. Wir erreichen das südliche Ende des Dorfs und man kann sehen, wie die Autos auf der Hauptstraße ins Dorf hineinfahren. Unsere Straße macht einen Knick nach links und überquert einen schönen Radweg auf der früheren Bahnstrecke. Seit 45 Jahren fahren hier keine Züge mehr. Schade eigentlich. Aber in unserer hügligen Gegend  rentiert es sich einfach nciht.  Diese Strecke könnte ich auch mal zum Joggen nutzen.

Während die Straße nun nochmal nach links abbiegt, laufen wir auf einem Fußweg geradeaus weiter um die Neubausiedlung herum. Okay, so neu ist sie nicht mehr, auch schon wieder über zehn Jahre. Aber im Kopf ist sie eben die Neubausiedlung. Der Spielpaltz auf der rechten Seite war damals auch neu, da sind wir sogar ein paar mal hingegangen, doch heute sieht man dem auch sein Alter an. Der Weg mach eine sanfte Linkskurve und wir kommen am niedrigsten Punkt unserer Runde an. Über die Felder kann man zu einem Nachbarort sehen.

Der Weg endet abrupt an der südöstlichen Ecke des Sportplatzes. Ein kleines Beachvolleyballfeld, die Weitsprunggrube und eine Tartanbahn auf einer Seite umrahmen das Fußballfeld. Auch der Sportplatz ist zu meiner Grundschulzeit gebaut worden und immer noch gut in Schuss. Ein paar mal im Jahr sind wir hingegangen  und haben Leichtathletiknoten gemacht. Sprinten, Werfen, Weitsprung, Ausdauerlauf, Bundesjugendspiele. Besonders gut war ich nie. Wir laufen die Tartanbahn entlang und dann nach rechts hinter einem Tor vorbei. Geradeaus sind die Tennishallen, zur Linken die Sportgaststätte. Hier wurden ein paar mal Dorffeste gefeiert, aber ich war schon längere Zeit nicht mehr da. Im Fußball- oder Tsichtennisverein war ich nie. EIn paar mal war ich kurz davor, einzutreten, aber das eine oder andere hat mich dann doch abgehalten. Schade.

Am Ende des Sportplatzes laufen wir scharf links herum, dann wieder rechts, hinauf zur Straße. Jetzt sind wir wieder auf dem alten Bahndamm. Es geht nun in Richtung Norden, Bahnhofstraße, ich versuche mir vorzustellen, wie der Bahnhof hier einmal ausgesehen hat. Rechts neben mir ein paar Tischtennisplatten, den Damm hinunter der alte Sportplatz, eigentlich nur ein Fußballfeld. Die Straße endet und es geht einen kleinen Verbindungweg hinauf. Links von mir ist noch ein Schlittenberg. Dort sind wir mit der Schule ein Mal im Jahr hingegangen, am Tag der Zwischenzeugnisvergabe. Inzwischen ist die Wiese umzäunt, eine Weide.

Oben angekommen sind wir wieder im älteren Teil des Dorfes. Wir biegen links ab und laufen die Straße entlang. Auf dem Hof auf der linken Seite hat auch ein ehemaliger Mitschüler gewohnt. Bei seinen Eltern kaufen meine Eltern immer noch jedes Jahr unseren Chrisbaum. VIele Leute trifft man auch hier nicht. Aber wen man sieht, grüßt man freundlich, das gehört sich so. Manche Leut kennt man sogar, bei vielen hat man das Gefühl sie irgendwann mal gekannt zu haben. Einige kennen vielleicht sogar mich, auch wenn ich sie nicht erkenne.

Vor uns liegt nun wieder die Hauptstraße. Zur Rechten befindet sich die Bushaltestelle, wo ich jahrelang jeden Tag ausgestiegen bin, wenn ich vom Gymnasium kam. Der restliche Weg ist also der andere Schulweg. Aber vorher ist auf der linken Seite noch die Dorfkirche, eigentlich ganz schön für einen Ort dieser Größe. Drin gewesen bin ich vielleicht drei Mal. Auf der anderen Seite der Haupstraße geht es wieder bergauf, links ist die Bäckerei. Meine Schwester hat sich dort oft Süßigkeiten gekauft, und die Semmeln sind auch gut. Auch meine Fahrlehrer sieht man öfters dort.

Hinter der Bäckerei geht es nochmal links weg, an alten Höfen und neuen Häusern vorbei. In einem von denen hat eine Kindergartenfreundin gewohnt. Zwei Jahre lang waren wir unzertrennlich. Dann ist sie weggezogen und ich hab sie danach noch genau einmal besucht. Aber um ehrlich zu sein, in den Wochen, bevor sie weggezogen ist, hatten wir uns sowieso nicht mehr so vertragen. Heute wüsste ich gern, wie es ihr so geht, aber ich als Facebookloser bleibe da wohl wahrscheinlich im Ungewissen.

Jetzt sind es nur och ein paar Meter. Auf der linken Seite ist eine Wiese, wo wir früher auch oft gespielt haben. Fußball, Holzstapelklettern, Lager bauen. Zeitweise gabs mal Schilder mit Betreten verboten, aber die sind auch schon wieder weg. Am Ende der Wiese geht es links in unsere Straße weg. Rechts entsteht gerade die nächste Neubausiedlung. Unser Zahnarzt hat sein Haus schon hingestellt und ein paar andere Häuser sind auch schon da. Aber da ich so selten da bin, weiß ich nicht was für Leute da einziehen.

Auch in unserer Straße wird gerade gebaut. Neben uns errichten die Besitzer des italienischen Gaststätte ihr Haus. Eigentlich ganz hübsch mit Veranda und schönen Bögen. Gegenüber treffe ich oft die Nachbarin bei der Gartenarbeit. Sie grüßt mich immer und hat sogar vor ein paar Wochen an meinen Geburtstag gedacht. Mit ihrem Sohn war ich seinerzeit auch gut befreundet, aber da sind die Wege doch weit auseinander gegangen. Ich glaube es ist sieben Jahre her, dass wir länger miteinander geredet haben. Aber so ist das eben manchmal.

Und so sind wir wieder am Anfangspunkt. Ich bin froh, dass ich mit dieser kurzen Runde durch das Dorf so viele Assoziationen verbinden kann. Manchmal denke ich mir zwar, ich könnte viel mehr mit meiner Heimat hier verbunden sein und mehr am Dorfleben teilnehmen, aber auch so fühle ich mich in gewisser Weise verbunden. Alles in allem mag ich unser Dorf sehr und bin dankbar, hier aufgewachsen zu sein.

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